"TXXL - Upscaling Textiles" ‐ Grobgewirke als funktionale Flächen, 2018/19

Christiane Sauer, www.formade.comsauer@formade.com 

Im Rahmen des Forschungsvorhabens TXXL-Upscaling Textiles wurden die Potentiale der textilen Verfahrenstechnik Grobwirken für funktionale architektonische Innenraum-Elemente anhand von Materialstudien und Demonstratoren getestet. Das Grobwirken stellt eine Sonderform der Wirktechnik dar, mit der garnartige Elemente bis zu einem Durchmesser von 30 mm Materialstärke verarbeitet werden können. Es lassen sich flexible Flächen mit einer Stärke von bis zu 3 cm und einer Breite von 1 Meter in freien Längen von der Rolle herstellen. So kann diese textile Technologie in einem Maßstab, der architektonischen Werkstoffen entspricht, eingesetzt werden. Grobwirken wurde bislang meist im Bereich der technischen Anwendungen z.B. für Geotextilien in der Böschungssicherung eingesetzt. Die Herausforderung dieses Projektes war, Gestaltungsansätze zu entwickeln, die zusätzlich zu den technischen Eigenschaften auch gestalterische Ansprüche erfüllen. Im Verlauf der Testreihen wurde insbesondere auf nachhaltige und kostengünstige Konzepte für Raum-Akustik und Raum-Klimatisierung abgezielt und entsprechende Materialien wie Recyclingfasern oder Phase-Change Materialien (PCM) dahingehend untersucht. Alle Demonstratoren binden die Komponenten ausschließlich durch textile Konstruktion, durch die sich die einzelnen Elemente nach ihrem Lebenszyklus wieder sehr einfach lösen und in die Ausgangsmaterialien trennen lassen. Dies ist gegenüber herkömmlichen baulichen Elementen, bei denen funktionale Komponenten z.B. durch eine bindende Matrix oder durch Laminierung fest eingebunden sind, ein großer Vorteil.

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Critical Care. Architektur für einen Planeten in der Krise

Eine Ausstellung des Architekturzentrums Wien, AZW
im Deutschen Architektur Zentrum, DAZ, in Berlin

8. Februar - 22. März 2020

Die Präsentation der Ausstellung im DAZ wurde gefördert durch die
Fritz und Trude Fortmann-Stiftung

Anapuma Kundoo: Volontariat Home for Homeless Children, Pondicherry, India, 2010. Foto: Andres Herzog

 

Ausstellungsthema

Krise und Sorgetragen – das sind die beiden Pole des Ausstellungstitels „Critical Care“. Im Englischen steht der Begriff „critical care“ auch für Intensivstation. Jedenfalls fügt sich die vom Architekturzentrum Wien konzipierte Ausstellung gut in das Jahresthema des BDA „Reparatur und Sorge“ ein.

Die Erde also in der Notaufnahme. Menschengemachte ökologische und soziale Katastrophen drohen den Planeten unbewohnbar zu machen. Die Lage ist kritisch, und dominiert von den Interessen des Kapitals sind Architektur und Urbanismus in die Krise verstrickt.

Doch es geht auch anders, wie die Ausstellung „Critical Care“ anhand von 21 aktuellen internationalen Beispielen zeigt. Darunter: erdbebensichere und nachhaltige Dorfentwicklung in China, Überschwemmungsschutz durch traditionelle CO2-arme Bautechniken in Pakistan und Bangladesch, die vielfältige Umnutzung modernistischer Bauten in Brasilien und Europa, ein ökologischer Community Land Trust in Puerto Rico, die Revitalisierung historischer Bewässerungssysteme in Spanien sowie neue Konzepte für öffentliche Räume und durchmischte Stadtquartiere in Wien, London und Nairobi.

 

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Schaumhaus. Schaum als raumbildendes Material

2019 - 2020

Forschungsprojekt am Institut für Baukonstruktion, Lehrstuhl 2, Fakultät für Architektur und Stadtplanung, Uni Stuttgart unter Leitung von Prof. Martin Ostermann

Schaum ist eine Vielzahl von aneinanderhaftenden gasförmigen Bläschen, die von festen oder flüssigen Wänden eingeschlossen sind. Schaum hat keine Kanten, mehr noch keine festen Umrisse, keine beschreibbare Form. Er ist vergänglich, unbeständig, porös, löst sich auf. Schaum gibt auf Druck nach, ist leicht und weich. Seine Struktur ist richtungslos, er ist frei formbar und bearbeitbar. Das Berühren von Schaum wird als unangenehm empfunden. Er reagiert unvorhersehbar, reflektiert Schall in alle Richtungen, dämpft und dämmt.

Während herkömmliche Baumaterialien wie Stein, Beton, lackiertes Holz, Putz etc. sich fast ausschließlich kalt anfühlen, strahlen geschäumte Oberflächen Wärme aus. Die Energie kommt vom menschlichen Körper und reflektiert auf diesen zurück.

 

 

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Foto: © Prof. Martin Ostermann, Universität Stuttgart

Strukturen aus Myzelium für den Innenraum

2019 - 2020

Forschungsprojekt und künstlerische Installation von Jonas Edvard, Industriedesigner, Kopenhagen

Ziel dieses Projektes ist es, das Potenzial von Myzelium als schnell erneuerbaren, regenerativen und erschwinglichen, kohlenstofffreien Baustoff zu erforschen, zu bewerten und flächendeckend zu erschließen. Es soll die Akzeptanz von Myzelium als Baumaterial durch Anwendungen, die vielfältige sensorische Erfahrungen im Innenraum ermöglichen, voranbringen.

Myzelium ist ein hervorragendes Material zur Herstellung akustikabsorbierender Bauelemente und könnte neue Möglichkeiten für den Innenraumausbau bieten. Nach einer Testphase folgt eine Analyse der passenden Materialform zur effizienten und flächendeckenden Verarbeitung in Gebäudeinnenräumen. Abschließend können Aussagen zu konkreten Einsatzorten getroffen werden.

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Jonas Edvard Workshop. Foto: © Jonas Edvard

Forschungsprojekt "Bauen mit Salz"

2019 - 2020

Ein Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Baukonstruktion und Baustoffkunde der TU München unter der Leitung von Prof. Dipl.-Ing. Florian Musso.

Grundlage 

Ausgangspunkt für das Forschungsvorhaben sind die Überlegungen, dass laut UNESCO fast die Hälfte der Weltbevölkerung in Gebieten leben, in denen es mindestens in einem Monat pro Jahr zu wenig Wasser gibt. Derzeit betrifft der Wassermangel etwa 3,6 Milliarden Menschen. Eine Lösung diese Wasserknappheit zu bewältigen, ist Meerwasser zu entsalzen. Schon heute arbeiten auf der Welt rund 19.000 Entsalzungsanlagen, die Trinkwasser aus Meerwasser gewinnen und das entzogene Salz ins Meer zurückführen. Allein in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind das ungefähr 120 Millionen Tonnen Salz pro Jahr. Dieser erhöhte Salzgehalt im Meer bedroht Fischbestände, Korallen und Wasserpflanzen.

Um dieser Problematik entgegenzuwirken, sollen die Möglichkeiten untersucht werden, Salz als neues Baumaterial für architektonische Anwendungen einzusetzen. 

 

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Salzmaterialverbindungen
Probekörper - Oberfläche (Ausblühungen). Foto: © TUM EBB.

Forschungsprojekt "BREATHE IN / BREATHE OUT - NUATAN.
Exploring scents of future materials."

2019 - 2020

Ein Forschungsprojekt von crafting plastics! studio, Vlasta Kubušová, Berlin und OFFICE MMK, Moritz Maria Karl, Berlin

Der Geruch von organischem Bioplastik ist kaum erforscht und es werden keine Aromen mit dem Material verbunden. Im Zentrum dieses Projektes steht die Entwicklung einer einzigartigen Geruchsbibliothek für organisches Bioplastik und die Überführung der erforschten Aromen in ein Baumaterial aus Bioplastik, ein „Proust Skin“. Das Projekt ist eine transdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen crafting plastics! studio und OFFICE MMK in enger Kollaboration mit Geruchs-, Material- und Neurowissenschaftlern.

 

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Nuatan. Foto: © Vlasta Kubusova / Moritz Maria Karl

Forschungsprojekt "Upscaling Textiles ‐ Supergrobe Gewirke als funktionale Flächen"

2017 - 2018

Christiane Sauer, Architektin und Professorin für Material und Entwurf im räumlichen Kontext, untersucht mit dem Forschungsprojekt "Upscaling Textiles ‐ Supergrobe Gewirke als funktionale Flächen" die Möglichkeiten, technische Textilien bzw. ihre Herstellungsverfahren für architektonische Anwendungen zu erschließen. Mit einer entsprechenden Maschine sollen lineare Stränge aus unterschiedlichsten Materialkombinationen zu textilen „Matten“ im Gebäude-Maßstab verarbeitet und mit verschiedenen Funktionen, beispielsweise zur Verbesserung der Akustik oder des Raumklimas, belegt werden. Das Projekt wurde im Rahmen der Ausschreibung 2016/17 „Kostengünstige Baustoffe und Konstruktionsweisen für den Wohnungsbau“ vom Kuratorium der Fritz und Trude Fortmann-Stiftung für die Förderung durch die Stiftung ausgewählt.

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Mittels spezieller Wirktechnik werden Garnstränge aus flexiblen Materialien mit verschiedenen Eigenschaften schnell und kostengünstig zu großen Flächen verbunden. Fotos: STFI / Christiane Sauer

Forschungsprojekt "NAVAPA - Nachhaltige Verbundbauteile aus Papierwerkstoffen"

2017 - 2018

Das Forschungsprojekt "NAVAPA - Nachhaltige Verbundbauteile aus Papierwerkstoffen" von Dr. Stephan Schütz von der Bauhaus-Universität Weimar ist durch das Stiftungskuratorium im Rahmen der ersten Ausschreibung 2016/17 "Kostengünstige Baustoffe und Konstruktionsweisen für den Wohnungsbau" für eine Förderung durch die Fritz und Trude Fortmann-Stiftung ausgewählt worden. Die Arbeit verfolgt das Ziel, für bislang vorrangig in der Verpackungsindustrie eingesetzte Wabenplatten aus recyceltem Papier neue Anwendungsgebiete in der Architektur zu erschließen. So sollen mit gefalteten Wabenplatten ökologisch nachhaltig, materialsparend und energieeffizient produzierbare Wandelemente als kostengünstige und recyclingfähige Alternative zu konventionellen Metall-Ständerwänden für den Innenausbau entwickelt und untersucht werden.

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Bauteile aus Wabenplatten. Foto: Stephan Schütz / Bauhaus-Universität Weimar

Forschungsprojekt "Dachaufbauten"

2017 - 2018

Das Forschungsprojekt "Dachaufbauten" wurde im Rahmen der Ausschreibung 2016 „Kostengünstige Baustoffe und Konstruktionsweisen für den Wohnungsbau“ vom Kuratorium der Fritz und Trude Fortmann-Stiftung für die Förderung durch die Stiftung ausgewählt. Konrad Freymann, Jakob Grave und Simon Madlener, Absolventen und Studenten der Fachbereiche Bauingenieurwesen, Wirtschaftsingenieurwesen und Architektur der TU Berlin, untersuchen die Potentiale verschiedener Materialien und Konstruktionsweisen für innerstädtische Wohnraumschaffung durch Dachaufbauten. In Verbindung mit innovativen digitalen Planungs- und Fertigungsprozessen soll für diese meist durch kostenintensive Einzellösungen geprägte Bauaufgabe nach kostengünstigeren und damit sozial verträglicheren Möglichkeiten gesucht werden.

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Masterarbeit "Neue Baustoffe und Trends in der Tragwerksplanung"

2016

Die Masterarbeit "Neue Baustoffe und Trends in der Tragwerksplanung" am Institut für Bauingenieurwesen der TU Berlin wurde als Pilotprojekt durch die Fritz und Trude Fortmann-Stiftung gefördert. Sie zeigt in einem geschichtlichen Abriss anhand verschiedenster Beispiele, dass die Geschichte des Bauens auch eine Geschichte der Werkstoffe mit oft wiederkehrenden Trends und Moden ist. Die Arbeit wurde im Mai 2016 abgeschlossen.